Vor ziemlich genau zehn Jahren hatte ich das erste Mal eine Rettungsstütze in der Hand, und zwar zur FDIC in Indianapolis (Bilderstrecke). Danach habe ich eine Zeit lang für den Hersteller gearbeitet, und seit drei Jahren vertreibe ich das Gerät in Eigenregie.

Zehn Jahre ist eine recht lange Zeit, uns es ist erfreulich viel geschehen – nicht nur alle drei Bayerischen Feuerwehrschulen, sondern viele Berufs- Werk. und freiwillige Feuerwehren bundesweit sind damit ausgestattet. Es ist eine schöne, lebendige und proaktive Gemeinschaft geworden.

Was aber fehlt, ist eine kurze und knappe Vorstellung bzw. ein Argumentarium für das Gerät, was wir hiermit nachholen möchten – möglichst kompakt.

Ich möchte mit diesem Bild hier anfangen, das am ehesten das „Wesen“ der Rettungsstützen zum Ausdruck bringt:

Meines Wissens handelt es sich um den Teileinsturz einer Parkgarage in New Jersey (Artikel, Foto von Tom Gavin), bei dem eine Person vermisst war. Ziel war die Erstsicherung des Zugangs um eine Suche zu ermöglichen, hier mittels Schwelljoch.

Nachdem diese ohne Befund geblieben war, wurde der Gefahrenbereich am folgenden Tag nochmal überprüft. Das Ergebnis? Wenn man genauer hinsieht:

Jetzt kann sich jeder ausmalen, wieviel Kraft nötig ist, um ein 20er Kantholz auf die Hälfte der Höhe zu komprimieren. Es ist irre viel. Somit kommen wir gleich zum Punkt:

Rettungsstützen ungleich Baustützen ungleich Stabilisierungssystem

Ganz unabhängig vom Hersteller steht der Verwendungszweck bereits im Namen: es sind Rettungsstützen. Diese sind für Arbeiten gedacht, die Rettungskräfte zügig, sicher und flexibel durchführen müssen. Sie sind auch nicht für den großflächigen Einsatz gedacht, sondern für die punktuelle, zeitlich begrenzte Sicherung der Einsatzkräfte.

Gerne werden sie in einem Topf mit Baustützen (sowie Kanalstreben) und PKW-Stabilisierungssystemen geworfen. Falsch – es ist eine eigene Gerätekategorie die multifunktional ist, und bei Bedarf auch als Baustütze oder PKW-Stabilisierungssystem funktonieren kann.

Rettungsstützen arbeiten mechanisch. Das heisst, sie werden per Hand gesetzt und halten die Kraft, bis die Bruchlast erreicht ist. Diese beträgt bei Paratech übrigens bis zu einer Höhe von 120cm ca. 36 Tonnen, mit einem Faktor von 4:1 sind das 9 Tonnen. Baustützen erreichen bis zu 5t (ca 50kN), den Sicherheitsfaktor beim Hersteller erfragen.

Und jetzt kurz und bündig.

Das Packmaß

Diese Deckenabstützung von ca 240cm wird mit Stützen und Verlängerungen erreicht, die ein Packmaß von maximal 95cm haben.

(Bild: Edwin Wezenbeek) Also sowas hier:

Mit einem Rüstwagen werden bis zu 470cm erreicht, Packmaß 185cm.

Unterschied zu Baustützen

Rettungskräfte werden nicht gerufen, um Bauwerke zu errichten, sondern weil ein (Teil-)einsturz vorliegt. Abgesehen vom Packmaß bzw. der Auszuglänge:

  • Rettungsstützen sind deutlich teurer als Baustützen
  • Die erhöhte Tragkraft bedeutet mehr Sicherheit bei der Abstützung beschädigter Bauteile
  • Eine Baustütze hat eine aufgeschweißte Blechplatte, funktioniert ausschließlich im Winkel von 90°, und das hat in fast allen Fällen nichts mit Einsturz zu tun. Um Kraftschluß zu erreichen, muss ggf. gekeilt werden – meistens eine recht instabile, nicht belastbare Konstruktion.
  • Rettungsstützen können bis zu einem Winkel von 45° eingesetzt werden
  • Für die Profis: es können sämtliche „Figuren“ aus der Abstützung mit Holz abgebildet werden, vom Sprengwerk über Stützbock hin zum Raumfachwerk.

Hier sieht man den fehlenden Kraftschluß – noch ist die Last nicht kritisch, illustriert das Problem aber gut wenn die Baustütze nicht im Lot ist:

Unterschied zu Fahrzeugstabilisierung

Stabilisierungssysteme für PKW haben genau einen Zweck, den sie wirklich gut erfüllen: dafür sorgen, dass dieser nicht umfällt. Das ist nicht die Kernaufgabe von Rettungsstützen, sie können das aber auch:

Oder auch etwas größer:

(Foto : THW Dachau) Man beachte auch, dass der Winkel weiter „wurscht“ ist. Mit Spanngurt und Heringen ist die Bodenplatte sauber verankert.

Es gehen auch unförmige Lasten:

Die Pneumatik

Was Rettungsstützen wirklich besonders macht: die Pneumatik. Im Prinzip muss man sich den Aufbau wie den von Hebekissen vorstellen, nur dass Stützen und keine Kissen an der Luft hängen. Für den Einsatz der Luft gibt es grundsätzlich zwei Szenarien.

Szenario 1: Heben von Lasten:

Zunächst wird die Last abgestützt, anschließend gehoben. Damit die Stützen mitlaufen und nicht wegklappen, werden sie mit ca. 1,5bar beaufschlagt. Somit laufen die Stützen passiv mit. Im kritischen Moment des Hebens ist die Mannschaft außerhalb des Gefahrenbereichs. Am Ende des Hebevorgangs wird die Stütze gesichert. So zu sehen hier bei 00:52:

Szenario 2: Tiefbauunfälle

Selten und gefährlich, im Gegensatz zu Kanalstreben können Rettungsstützen mit der Pneumatik (17bar) von außerhalb gesetzt und verriegelt werden, der Verbau erfolgt von Außen ohne die Grube zu betreten.

Hydraulik

Wir wollten das ja kurz halten. Im Video oben (unter Pneumatik) sieht man den Einsatz der Hydraulikstütze mit einer Hubkraft von 9 Tonnen. Taktisch ähnlich der hydraulischen Winde, hat sie jedoch erhebliche Vorteile:

  • Mit der Handpumpe ist man außerhalb des Gefahrenbereichs
  • Durch die eingebaute Mutter ist eine mechanische Sicherung auch gegeben (zB bei Versagen der Hydraulik)
  • Und sie ist mit jeder beliebigen Stütze kombinierbar, somit kann man auch in größeren Höhen heben

Sieht man hier ganz gut:

In der Mitte die schwarze („HFS“-) Hydraulikstütze zum Heben, rechts und links davon mit Pneumatik beaufschlagten Rettungsstützen. Der Hebevorgang erfolgt für die Bedienmannschaft außerhalb des Gefahrenbereichs.

Dreibein

Schließich interessant für Rüstwagen nach neuer Norm, hier ist auch ein Dreibein gefordert. Je nach Zusammensetzung der Stützen auf dem Fahrzeug kann dann der Dreibeinkopf eingesetzt werden:

Aufnahmelast bis 2,3t (Faktor 4:1). Und Abstützen kann man damit auch:

Die Liste der Möglichkeiten ließe sich beliebig fortführen. Ich hoffe jedoch, der Sinn und Zweck des Rettungsgeräts, und warum es eben Rettungsgerät ist, erschließt sich aus dem Artikel.

Natürlich stehen wir Euch bei weiteren Fragen mit Rat und Tat zur Verfügung.

 

 

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