Im elften Jahr HRG lohnt es sich vielleicht, einen kleinen Überblick zu vermitteln: wo sind wir, wo geht es hin?

Die Tatsache, dass es uns nicht nur noch gibt, sondern auch die Kundenbasis und Projekte mehr werden, ist schon mal eine ganz gute Grundlage. Auch das Team und unsere Themen wachsen munter weiter.

Doch eines nach dem anderen: Zunächst der Blick von oben. Zunächst stellen wir fest, dass die Kernthemen, nämlich „Bauunfälle“ und „THL Schwer“ systemisch auf gutem Weg sind. Ganzheitlich müssen die Komponenten:

Ausbildung – Gerät – Taktik

aufeinander abgestimmt sein. Es hilft, mit Standardszenarien zu denken. Wir nehmen typischerweise:

  • Unterfahrunfall PKW unter Sattelauflieger
  • LKW in Haus
  • Teileingestürzter Graben 250cm tief
  • PKW droht an Abbruchkante abzustürzen
Übungslage „PKW in Haus“ mit Person eingeklemmt – wie vorgehen? (Übungshaus der FF Freilassing)

Unsere Fragestellung an die Organisationen – primär Feuerwehr und THW – lautet:

  • Was kommt?
  • Was bringen die mit?
  • Was können die?
  • Was kommt danach?
  • Was bringen die mit?
  • Was können die?

Bei den oben beschriebenen, drei ersten Lagen wird der Aufwand erwartungsgemäß größer werden (den kippeligen PKW sollte ein HLF selbst bewältigen können). Somit bedarf es eines durchgehenden, skalierbaren Systems. Wir sehen diese Lagen in recht klar abgegrenzten Phasen, wenn sie zeitkritisch sind (eingeklemmte/ verschüttete Personen):

Der Erstschlag betrifft grundsätzlich die Feuerwehren, unabhängig von Größe und Lokation. Ein PKW kann überall in ein Haus fahren. Hier gilt es, die Lage zu erfassen und schnell Maßnahmen zu treffen, die auch eine Erstsicherung einschließen.

Die Sicherung und Rettung erfolgt dann anschließend. Hier ist bei Bauunfällen je nach Örtlichkeit auch schon das THW eingebunden (mal früher, mal später).

Der weitere Ausbau bzw. die erweiterten Sicherungsmaßnahmen sind dann längerfristiger Natur.

Bei den Feuerwehren hat sich unser Fokus in den letzten Jahren verstärkt auf den Erstschlag gelegt. Gedanken in loser Reihenfolge:

Die Anzahl der HLF nimmt gefühlt zu. Jeder Anwender hat einen anderen Blickwinkel auf das, was ein Fahrzeug können muss. Das „H“ in HLF ist ein recht dehnbarer Begriff – oft ist es tatsächlich leider recht verkümmert. VU wird immer gehen, aber THL ist natürlich viel mehr. Ein Paar Beispiele:

  • Sichern: Bei Anschlagmitteln sehen wir fast die größten Wissenslücken. Das geht bei den Bezeichnungen los, über die richtige Zusammenstellung hin zum Einsatz. Die meisten Spanngurtratschen werden nicht geschlossen. Schäkel verkehrt herum eingesetzt. Und.
  • Trennen Holz / Metall: fast alle Feuerwehren haben Schlosser, Zimmerleute in ihren Reihen. Gut, wenn man darauf im Einsatz bauen kann. Nur: das vorhandene Wissen sollte auch systemisch umgesetzt sein, somit jeder zumindest wissen, dass man ein Flex ausstecken muss bevor die nicht abgelaufene Gewebescheibe gewechselt wird …
  • Stichwort Strom: Wieviele Tauchpumpen kann ich an das Stromaggregat hängen? Kilowatt – es muss kein Elektrikerwissen sein, aber auch hier sollten ein Paar Basics drin sein, so zum Beispiel, dass manche Geräte einen Anlaufstrom haben – und, und.
  • Ziehen und Heben: Dynamische Lagen sind solche, in denen eine Bewegung durchgeführt wird. Der Greif-, Pardon, der Mehrzweckzug ist nicht der Freund der meisten FA, und somit nimmt man die normgegebene Möglichkeit in Anspruch und lässt den weg. Dito die Hebekissen, die auch nur noch alternativ sind. Von der Logik heisst es, man hätte ein weiteres Fahrzeug (vor Allem Rüstwagen), der diese Felder abdeckt – doch die Erfahrung zeigt, es ist viel besser, autark agieren zu können.
Gewusst wie: Scheiben wechseln und richtig einsetzen?
Kenne Dein Fahrzeug: Wo ist was verlastet? Wie heisst das Werkzeug? Was kann es?

Natürlich muss jeder für sich entscheiden, wieviel und in welcher Qualität er leisten möchte, aber das sollte eine qualifizierte Entscheidung sein und kein Raten ins Blaue.

Vor Allem beim Thema Bauunfälle bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes. Ein HLF oder RW werden mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht ausreichend Material mitführen. Erstschlag, ja – auch das HLF. Doch dann sollte man sich idealerweise auf Landkreisebene oder ähnlich übergeordnet Gedanken machen, wie das auszusehen hat, und ganz idealerweise einen Langfristplan zur Umsetzung verfolgen.

Wir begleiten nun teilweise intensiv solche Projekte, teils auch sehr stark rot/blau integriert. Wir stellen dabei zwei besonders vorteilhafte Effekte fest:

  • Die Ausbildung beinhaltet viele handwerkliche Grundtätigkeiten (s. oben), die auch allen anderen Facetten des Feuerwehrdaseins zugute kommen
  • Die verstärkte Integration Feuerwehr und THW ist eine notwendige. Leider findet diese, aus welchen Gründen auch immer, nicht überall in gewünschter Tiefe statt. Doch genau diese Themen, die quasi einen fast zwingenden Übergang bzw. eine Integration an der Einsatzstelle haben, helfen dieser Gemeinschaft ungemein
Holzzuschnitt / Einfacher Schnittplatz
Die Komponente bzw. Dispogruppe „Tiefbauunfälle“ des Landkreis Dachau

Wie Ausbildung – Gerät – Taktik gelöst wird, ist ganz unterschiedlich. Wir sehen die unterschiedlichen Trends, beispielsweise weg vom RW, hin zum AB Rüst, und auch wieder zurück zum RW – es geht mit, es geht ohne. Wichtig ist die Abstimmung zwischen den Komponenten, und da liegt noch viel Arbeit vor uns.

Wir freuen uns jedenfalls, diesen Weg hier und dort zu begleiten- sprichwörtliche Baustellen gibt es mehr als genug. Ganz zuletzt noch einen ganz großen Dank an alle, die uns auf dem Weg begleitet haben – auf die nächsten 11 Jahre!

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